Ein Jahr rumgeranzt | Ein Zwiegespräch

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Bei Bowkowski im Wohnzimmer. Nostalgie liegt in der Luft. Simplicissima ist zu Gast in dieser sich zwischen Chaos und Ordnung nicht entscheiden wollenden Behausung. Bowkowski sitzt in alter Journalistenmanier am Tisch, Simplicissima guckt noch etwas skeptisch.

Simplicissima:
Du willst also über das erste Blogjahr reden – und dann haben wir keinen Kaffee hier? Wie stellst du dir das bitte vor?

Bowkowski:
Drüben an der Ecke ist ein Späti, da gibt’s ziemlich leckeren Kaffee – willste dir schnell noch einen holen gehen, bevor wir anfangen?

Simplicissima:
Dann dauert es wieder ewig, eine bequeme Position am Tisch zu finden, legen wir einfach los! Wie stellen wir es an?

Bowkowski:
Eine bequeme Position am Tisch zu finden?!

Simplicissima:
Ja. Ist so ein Komplicissima-Ding.

Bowkowski:
Alles klar, ich frag einfach nicht weiter nach 😛
Juti, dann mal los. Ich hab da so paar Fragen im Kopf. Die erste wäre: Wenn du an den Anfang vom Blog zurückdenkst, wie isses seitdem so gelaufen?

Simplicissima:
Das ist leicht: jetzt lesen schon ungefähr acht Leute mehr mit als am Anfang, es läuft also richtig gut!

(beide lachen)

Bowkowski:
Ja, ist ja eigentlich eine nette, gemütliche Runde! Nächste Frage: Wenn du damals einen Beitrag begonnen hast, war da etwas anders als heute?

Simplicissima:
Da muss ich erstmal überlegen.
Ich glaube, dass ich „früher“ weniger nachgedacht habe – es ist einfach aus mir herausgesprudelt und ich habe kaum etwas noch einmal überarbeitet, bevor ich es veröffentlicht habe. Das ist jetzt anders, ich würde sagen, ich schreibe jetzt „kontrollierter“ oder einfach überlegter. Wie siehst du das denn? Du hast insgesamt ja viel mehr geschrieben als ich, wenn ich das richtig sehe.

Bowkowski:
Naja, gibt so Phasen. Manchmal hab ich über mehrere Wochen richtig Lust über das zu schreiben, was ich gesehen oder gelesen habe und dann wieder passiert so viel auf einmal, oder auch mal nischt, dass irgendwie kein Elan da ist. Bei mir ist es witzigerweise fast andersherum. Am Anfang hab ich irgendwie Berührungsängste gehabt und war verhaltener. Mittlerweile schreibe ich meine Beiträge viel schneller herunter und grüble nicht mehr so über einzelne Formulierungen.

Simplicissima:
Also mal wieder total unterschiedliche Entwicklungen bei uns beiden! (grinst)
Seitdem ab und an mal Menschen mitlesen oder durch Suchmaschinen hier angespült werden, hab ich das Gefühl, ich müsste denen mehr mit auf den Weg geben. Ich vertrete ja den Standpunkt, dass ich hier nur meine eigene Meinung, meinen persönlichen Eindruck vermitteln möchte. Jetzt frage ich mich manchmal bei meinen Beiträgen, ob das überhaupt so klar wird. Umso mehr freue ich mich über deinen Einfall mit dem Bouletten-Barometer! Das ist eh das coolste Ding auf unserem Blog!

Bowkowski:
Hehe – finde auch, die Bouletten machen’s rund 😀
Verstehe, was du meinst. Ich denk schon, dass man das merkt – also, dass wir hier einfach immer frei von der Leber weg schreiben.

Simplicissima:
Ich muss da grad an diese Debatte im Netz denken, die über objektive Rezensionen und Bewertungssysteme auf Blogs. Erinnerst du dich?

Bowkowski:
Ein Widerspruch in sich! Ernsthaft. Jede Kritik ist doch subjektiv, absolut jede. Das liegt in der Natur der Sache: Ein Restaurantkritiker ist subjektiv, egal wie anerkannt, ein Theaterkritiker ebenso – weil wir alle Menschen sind und selbst wenn man sich bei Buchrezensionen an objektive Kriterien hält, um eine Bewertung nachvollziehbar zu machen, hängt am Ende trotzdem alles am individuellen Leseerlebnis.
Die Masse der Kritiken ist doch ausschlaggebend und die Frage, ob die positiven oder die negativen Bewertungen überwiegen.

Simplicissima:
Finde auch, jede einzelne Kritik hat ihre Berechtigung und ist ein Meinungsbild gleichrangig neben anderen. Und die Bouletten dienen ja auch eh nur der Übersicht und der Orientierung, für uns auch um ein handfestes Fazit zu ziehen. Manchmal kommt das aus dem Bauch heraus, manchmal wohlüberlegt. Wir werden schließlich nicht dafür bezahlt, dass wir unsere Meinung abgeben, sondern tun das aus freien Stücken und aus Spaß an der Freude – und Bouletten!

Bowkowski:
Absolut! Ich finde auch, wegen dieser ganzen Diskussion um Bewertungssysteme auf Blogs – man muss sich da einfach mal ein bisschen locker machen.

– Kurze Pause –

Du, apropos. Was ich mal gerne noch wüsste:
Wie ist es für dich eigentlich mit jemandem gemeinsam einen Blog zu führen?

Simplicissima:
Ist das eine Fangfrage, Bow? (zwinkert schelmisch)
Ich muss sagen, dass ich es wirklich sehr schätze – ich kriege von dir immer ausreichend Feedback, ich habe keinen Druck, dauernd einen Post „abzuliefern“, ich kann mich mit dir austauschen und ich möchte fast behaupten, dass es mir so noch besser gefällt als alleine einen Blog zu haben. Voll eingekratzt, gehst du mir jetzt einen Kaffee an der Ecke holen?

Bowkowski:
(gerührt) Oh, das haste jetzt aber schön gesagt!
Ja, ich dachte, DIE Gelegenheit sowas zu fragen 😀
Ich mag das auch so sehr, das ist einfach „unser“ kleines Ding. Und ich find’s ganz besonders toll, dass wir uns ab und an auch mal extra zum Schreiben treffen!
Das sind im Nachhinein jedes Mal die schönsten Erinnerungen an den Blog.
Den Namen „Bow“ hab ich ja auch dir zu verdanken und den hab ich echt lieb gewonnen!

Simplicissima:
Ja, genau – der Blog ist unser Baby!
Hast du eigentlich einen Lieblingsbeitrag?

Bowkowski:
Hm, das ist schwer! Darf ich kurz gucken?

Simplicissima:
Nö.

Bowkowski:
Puh… (überlegt). So ad hoc fällt mir der Beitrag über die verlassenen Orte in Berlin und Umgebung ein. Den hab ich im Sommer auf meinem Balkon geschrieben und Emma war dabei, sie hat dauernd mit ihren Pfoten auf die Tastatur vom Laptop getapst. Es war so ein schöner, warmer Nachmittag und das Bloggen war noch relativ neu für mich. Außerdem mag ich den Bildband total!
Ich hab aber auch einen Lieblingsbeitrag von dir, fällt mir da ein: Deine Buchkritik zu „Leere Herzen“ von Juli Zeh. Ich weiß, da bin ich voreingenommen, weil ich sie generell gerne lese – aber ich musste so viel schmunzeln über deine Schreibe, das warst so authentisch du!

Simplicissima:
Da werd‘ ich ja ganz verlegen! (schmunzelt) Aber ja, das ist auch mein eigener Lieblingsbeitrag – wenn ich das so sagen darf.
Von dir mag ich mehrere ganz besonders gern: zum einen den über „Die Stadt als Beute“, weil er so klug wiedergibt und kritisiert, zum anderen den über deine Klolektüre zu Patrick Salmen – den hast du richtig gefressen und das merkt man! Zumal ich dabei war als du das Buch gekauft hast und deine Vorfreue war riesig und dann diese Enttäuschung. Und ich mag auch richtig gern deine Fotos von den allerersten Beiträgen. Da hast du über irgendwelche Enten und den Tod geschrieben und das waren tolle Beitragsbilder.

Bowkowski:
Auweia, wir müssen aufpassen, dass wir uns hier nicht zu dolle behuddeln (kichert). Danke für die Blumen, jetzt haben wir beide schön Farbe!
Gibt’s denn eigentlich auch was negatives am Blog?
Etwas, das wir anders machen sollten?

Simplicissima:
Ja, wir sollten meinen Namen dringend ändern! Nach zehn Jahren kann ich „Simplicissima“ nicht mehr sehen. Außerdem mag ich den Spitznamen, den du mir verpasst hast – Hia. Das wäre ’ne Änderung wert. Ansonsten sollten wir so weitermachen: frei von der Leber weg darüber schreiben, was uns bewegt, was wir mögen, was wir nicht leiden können, was uns in den Sinn kommt. Klar kann man sich immer und stetig verbessern, aber einen richtig negativen Punkt kann ich gerade nicht ausmachen.
Nimmst du dir denn etwas für das zweite Bloggerjahr vor?

Bowkowski:
Uh, wie cool wär das denn?! Ja, das machen wir – bin total dafür. Mein erster Impuls, wenn ich im Blog von dir spreche ist eh „Hia“ zu schreiben und dann muss ich mich immer bremsen, hihi.
Blogger… irgendwie ist das immer noch ein ungewohnter Titel für mich. Vielleicht genau das: Dass ich das noch mehr genießen möchte, was wir da haben. Und eines macht es auch mit mir: Ich lese wieder mehr und nehme bewusster wahr, das will ich definitiv beibehalten! Was ich oft vergesse ist, über Konzerte oder kulturelles zu schreiben, obwohl es oft was zu erzählen gäbe. Da will ich bisschen mehr hinterher sein, denn die Mischung mit den Buchkritiken mag ich sehr.

Hiakova:
Ja, ich hab weder über Wacken, noch über die Rocky Horror Show gebloggt – obwohl ich es mir beide Male vorgenommen habe. Vielleicht finde ich generell mehr Zeit für den Blog, wenn ich die blöde Masterarbeit vom Tisch habe. Das ist es, was ich mir persönlich für das zweite Jahr wünsche: mehr bloggen und es genießen 🙂

Bowkowski:
Schönes Schlusswort, Hia! Komm, gehen wir runter – ich lad‘ dich auf nen Kaffee ein 😉

Hiakova:
(Fußgetrappel, Türenknallen)

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